Wie ich mir meinen (internen) Community Manager bastelte

Es gab eine Zeit, da war die Welt noch in Ordnung. Mit anderen Worten: Einfach und klar. Der Papa sagte was zu tun war und der Rest der Familie fügte sich in die wohlbekannte hierarchische Ordnung nach den Kriterien, Geschlecht, Alter und…, tja, wie gesagt, einfach und klar.

(Wer sich die Textwüste sparen möchte… hier geht es direkt zur Präsentation… Noch da? Ich hab‘ Dich gewarnt!)

Und dann kam plötzlich der Kolonialismus, die Bahn, der Kapitalismus und das Fließband. Und da wir keine Zeit hatten bzw. keine Zeit verlieren wollten, um nachher noch Zeit zu sparen, sondern Zeit optimieren mussten, um später Zeit zu managen, damit jedes moderne, auf den Prinzipien der Arbeitsteilung und mechanischer Effizienzsteigerung basierende Unternehmen (aka “Die Familie”) zeitnah in seinen funktionierenden patriarchialischen Strukturen Zeitkontingente einführen konnte, dachten wir uns: Wir brauchen eine einfache und klare Produktionsordnung. Und wer Ordnung sagt, der meint Familie. Chef, Sohn des Chefs, Enkel des Chefs etc. pp., sagt wo es langgeht, die Lohnarbeiter zeigen sich loyal, dankbar und gehorsam. Schwupps, hatten wir das Modell für die kapitalistische Industriegesellschaft. Eigentlich alles prima.

Excitement (July 2011)

Image: ‚Excitement (July 2011)‚  http://www.flickr.com/photos/77909728@N00/5992512756

Diese detaillierte Beschreibung der letzten 500 Jahre der europäischen Menschheitsgeschichte hat nur einen Zweck: Das Ende auszurufen! Das Ende ist nah! Und wenn nicht, dann gibt es zumindest ein Thema für die Mittagspause. Falls das Gespräch sich wider Erwarten mal nicht um die vermeintlichen Kochkünste der Industrieküche dreht.

Einige Unternehmen haben schon länger bemerkt, dass es aus völlig unerfindlichen Gründen nicht mehr reicht, wenn Papa seiner bockigen Familie mal wieder die Welt erklärt. Als Konsequenz wurde einfach noch lauter, noch bunter und noch unverständlicher gesagt, wie der Hase zu laufen habe, der störrische. Funktioniert ja schließlich auch in der Werbung, Politik und im Feuilleton.

Der heilige Gral der Kommunikationskaskade mit den Begrifflichkeiten “Zielgruppen-Definition” (anderes Wort für “alle”), “Maßnahmenplanung” (in beliebiger Reihenfolge “Newsletter”, “Poster”, “PowerPoint”), “Evaluation” (braucht keine Sau), “Analyse” (“Der Vorstand/Chef/Abteilungsleiter/Projektleiter/Programmleiter will…”) sorgte dafür, dass jeder die Möglichkeit bekam, sich möglichst desinformiert, desinteressiert und/oder desillusioniert an der Entwicklung, Stagnation oder Rezession des eigenen Brötchengebers zu zeigen, indem er sich der beliebten Propaganda-Opfer-Taktik bediente: Zustimmende Ignoranz.

Head in Hands

Image: ‚Head in Hands‚  http://www.flickr.com/photos/34120957@N04/4199675334

Und plötzlich befinden wir uns im Zeitalter der Komplexität. Nicht, dass es jemals ein Zeitalter der Nicht-Komplexität gegeben hätte, aber wir tun jetzt einfach mal so, als wäre Komplexität ein neues Konstrukt der sozialen und ökonomischen Ordnung. Aus allen Ecken und Enden werden einem Begriffe wie “Transparenz”, “Vernetzung”, “Community”, “Selbstorganisation”, “Leadership” 2.0 (wahlweise ersetzbar mit “Intranet”, “Arbeit” “Enterprise”, “Learning” etc. pp. 2.0) mit der Wucht Straßenkampf-erprobter Ziegelsteine an den sensiblen Kopf des “Wissensarbeiters” (sic!) geworfen.

Ich muss es wissen, schließlich bemühe ich mich ebenfalls, die Reihen aller Hobby- und Vollzeit-Evangelisten geschlossen zu halten. Das Wissen verrät uns, die Hoffnung bleibt. Und allen ist klar: Hier kann nur Superman (wir leben im Jahr 2014, also auch Superwoman) helfen! Ok, Superman/Superwoman kann natürlich weit mehr als nur mal die Interne Kommunikation neu erfinden, schließlich geht es um nichts Weniger als die komplette Transformation bekannter Organisations- und Arbeitsstrukturen (Boooaaahhh!).

Damit das Ganze auch von Papa verstanden wird (hey, irgendjemand muss das Ganze doch bezahlen oder?), erstellen wir Prozesse, Diagramme, Listen mit vielen Punkten, Tabellen mit vielen bunten Spalten und packen das in eine PPT. Da Superman/Superwoman vermutlich auf wenig positive Resonanz stoßen würde, nennen wir es einfach mal Community Manager.

Da wir aber auch diese rebellischen Social Media Nerds nicht völlig verlieren dürfen (also diejenigen, die nicht einfach nur über die Industrieküche in der Kantine meckern, sondern davon auch noch Bilder auf Instagram/Facebook/Twitter/GooglePlus hochladen, teilen, liken, faven), müssen zumindest ein paar “lustige” Bilder zu sehen sein.

Bitteschön!

(Hinweis: Die Präsentation enthält screenshots, die zusätzlich verlinkt sind, sowie YouTube Videos, die ebenfalls über verlinkte screenshots zu erreichen sind)

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