Wie der Pawlowsche Hund fast ein Blogstöckchen verschluckte

Blogstöckchen. Blogstöckchen? Was’n das? Zum Glück kann ich den Pawlowschen Hund in mir gerade noch bändigen und reagiere auf das mir hingeworfene Tweet-Stöckchen nicht mit dem Griff in das Twitter-Abwehr-Waffenarsenal: Markiere diesen Tweet als Hundespam! Kennt ihr auch diese ur-menschliche, triebhafte Befriedigung, wenn es einem Tweet-Spammer mit einem Klick an den nicht existierenden, digitalen Kragen geht? Sozusagen der Dirty Harry Montagmorgen Gruß des Neulands? Make my day, Du miese Kettenbrief-Mutation! Kennt ihr nicht? Das spricht für euer ausgeglichenes Ego oder einem ausgeglichenen Koffein-Haushalt.

Aber wie gesagt, im Otto’schen Sinne konnte sich mein Kleinhirn durchsetzen, sodass ich mir erst einmal den Twitterer betrachtete – achsooooo, der Sebastian! – und sogar den Link anklickte. Nach dem Lesen des Blogposts kamen mir drei Fragen auf: „Haben diese Social Dings Leute eigentlich auch mal was zu tun?“; „Verdammt, das ist ja doch ein Kettenbrief!“; „Mein Kreativitätsoutput ist für diese Woche bereits verplant. Was zur Hölle soll ich fragen?“.

kettenbrief

Quelle

Da ich keine sinnstiftende Antworten auf meine Fragen finde, hier erst einmal meine Antworten auf Deine Fragen!

1. Was steht links neben Eurem Bildschirm?

Noch ein Bildschirm. Wer will schon freiwillig einen Blick auf die analoge Realität werfen, wenn es die betörende Versuchung der digitalen Existenz gibt. Ach so, und mein leerer Kaffeebecher.

2. Welche Sportart wolltet Ihr schon immer mal ausprobieren?

Apnoe-Tauchen. Ohne Scheiß. Ist mir gerade eingefallen und könnte auch stimmen. Ich habe fast alle PADI-Tauchkurse abgeschlossen und nebenbei in einer Tauchschule gearbeitet, bis ich einen kleinen Unfall hatte. Aber Apnoe-Tauchen muss eigentlich das Größte sein.

3. Wie tief muss Schnee für Euch sein?

Im Dezember: Mein Fuß muss mit Schnee komplett bedeckt sein. Davor und danach: Geh’ mir weg mit dem Zeugs und teletransportier mich zu einem Karibik-Strand inklusive Cocktail (alkoholfrei) mit diesen kleinen Sonnenschirmchen drinnen.

4. Was ist für Euch eine Revolution in 2013 gewesen?

Gab es nicht. Die „Mahlzeit-Kultur“ ist kein guter Nährboden für revolutionäre Umtriebe. Daher wird der Mangel an revolutionären Taten mit dem inflationären reden und schreiben über revolutionäre Taten vertuscht. Auf Twitter gibt es mindestens einmal pro Woche eine Revolution, von der seltsamerweise praktisch niemand etwas mitbekommen hat. Also: Revolution 2013? Das Comeback des Filterkaffees. Bäh!

5. Wird es eine merkbare Veränderung in der Philosophie der Arbeit geben?

Das habe ich meinen Vater auch gefragt. Ich solle erst einmal richtige Arbeit machen, dann würde ich nicht auf so’n Gedöns kommen, war seine Antwort. Ich kann mich seiner Argumentation ja nicht ganz anschließen, daher denke und sage  ich (in dieser Reihenfolge): Die Veränderung ist bereits im Gange. Ihr im Weg stehen aber nicht „die da oben“, sondern die Mehrheit der Status Quo Verwalter. Wir. Gut, ich schließe mich aus beruflichen Gründen aus. Die Philosophie der Arbeit der Zukunft ist meiner Meinung nach verknüpft mit der (Wieder-)Entdeckung der Freiheit. Was bedeutet es für mich? Nun, im Arbeitskontext und kurz gesagt: Macht bedeutet Verantwortung, d.h. wer Macht/Wissen mit mir teilt, übergibt mir Verantwortung. Und erst durch diese Verantwortung erhalte ich Freiheit. Freiheit zu entscheiden. Und da könnte man auf die alten Klassiker zurückgreifen.

Wobei ich ja Leuten, die niemals aus Königsberg rausgekommen sind, grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe…

„​AUFKLÄRUNG​ ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der ​Aufklärung​.“

„Zu dieser ​Aufklärung​ aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“

„Ein Mensch kann zwar für seine Person und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was ihm zu wissen obliegt, die ​Aufklärung​ aufschieben; aber auf sie Verzicht zu tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten.“

6. Wie wirst Du 2020 arbeiten?

Als Lohn-Drohne bei Amazon. Ach nein, bin 2019 ja bereits von diesen verdammten Maschinen-Drohnen ersetzt worden. Tja, da bleibt mir wohl nur das Job-Profil des Evangelisten.

7. Single Malt Scotch, Wein oder doch eher die Flasche Bier, doch zu welchem Ereignis nehmt Ihr was?

Trinke keinen Alkohol. Rauche nicht. Bin Fortuna-Fan. Noch Fragen?

8. Was ist für Euch die Innovation für 2014?

Das ich jederzeit alle meine digitalen Inhalte wiederfinde, wenn ich nur mal kurz die Kollegen vom (bitte setze hier beliebigen Landesnamen ein) Geheimdienst kontaktiere. Möglichst per Fax. Abgesehen davon erstaunt mich immer wieder die enorme Anpassungsfähigkeit unserer Sprache. Kann sich noch jemand an den Begriff „Fortschritt“ erinnern? Wurde komplett umgedeutet (positiv à negativ) und einfach mit „Innovation“ ersetzt. Wehe, in einer Präsentation eines beliebigen Unternehmens fehlt das Wort „Innovation“!

9. Würdet Ihr Euch ne Drone von Amazon nach Hause wünschen?

Janeeisklar… Siehe Antwort 6!

10. Mobil, Remote oder doch lieber am Arbeitsplatz?

Hmmm, ich gebe zu, diese Frage verstehe ich nicht ganz. Wenn ich mobil erreichbar bin, bin ich doch auch am Arbeitsplatz. Insofern ich es möchte. Bin ein großer Freund des Home-Office bzw. Telearbeitsplatzes und jedes Mal zutiefst belustigt, wenn in Unternehmen und öffentlichen Institutionen (ab einer gewissen Unternehmensgröße sind die Unterschiede marginal) darüber entschieden wird, wie das denn nun gehen soll. „Dann sehe ich doch gar nicht, was der so macht“, „Dann ist das ja wie Urlaub“, „Dann können wir ja gar nicht mehr kommunizieren!“ (Also: In komplett sinnlosen, zeitverschwenderischen Meetings das letzte bisschen Kreativität ausblasen)

11. Wieviele Tierhaare finden sich im Umkreis von 3 Metern um Euch herum?

Leider zu wenig. Da hast Du mich erwischt. Ich könnte ja stundenlang Cat, Dog, Meerkat und sonstigen Animal Content gucken, posten. Ja, jetzt ist es raus! Fühle mich auch schon viel besser. Danke!

So. Fertig. Jetzt noch Stöckchen weiterwerfen und wieder auf die Jagd nach dem nächsten Espresso-Shot.

Ich lade euch – Christoph Schmaltz, Carsten Rossi, Simon Dückert, Alexander Derno, Ramón Goeden, Carsten Rose, Gunter Dueck, Frank Wolf, Thilo Specht – ein, folgende 11 Fragen zu beantworten oder euch mit den entsprechenden Folgen eures Handelns (wie ihr sicherlich wisst, ist ein Nicht-Handeln im philosophischen Sinne ebenfalls als Handeln zu werten. Ist ja philosophisch evident!) abzufinden.

  1. Ein existenzialistischer Reset-Button wurde gedrückt. Nächsten Montag fängt euer Leben komplett neu an. Was macht ihr daraus?
  2. Android oder iPhone? Bitte möglichst unsachlich antworten!
  3. Wärt ihr manchmal gerne einer dieser anonymen Trolle? Was würdet ihr posten?
  4. Haben die Kinder auf dem Schulhof auch nie mit euch gespielt? Oder welche Entschuldigung habt ihr dafür, „Social Media zu machen“?
  5. Warum „Enterprise 2.0“ und nicht „Social Business“?
  6. Was schenkst Du mir zu Weihnachten?
  7. Angenommen ich hätte Kinder im schulfähigen Alter: Worauf sollte ich achten, wenn ich mir überlege, welchen Bildungsweg ich für sie plane?
  8. Was ist „in Würde arbeiten“?
  9. Habt ihr eure Lieblings-Kettenbriefe aufbewahrt?
  10. Lese nochmals Frage 1. Macht dich die Antwort glücklich?
  11. Wenn ihr den roten Knopf hättet, um das Internet zu löschen. Warum würdet ihr ihn (nicht) drücken?

Und für die Historiker unter uns. Hier ist die Mutter aller Kettenbriefe

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