Interne Kommunikation vs. Enterprise 2.0 – Die Mauer wird fallen

Dies ist der letzte Ausschnitt aus einem Essay mit dem Titel „Interne Kommunikation auf der Suche nach dem Unternehmenswissen„.

Wer ist eigentlich dieser Wissensarbeiter von dem so oft gesprochen wird? Der beste Freund der Internen Kommunikation 2.0 würde ich sagen, denn er ist der Kunde, der die Dienstleistung des IK 2.0-Mitarbeiters als Vernetzer, Kommunikator, Trainer, Coach, Kurator, Mediator, Wissensverteiler in Anspruch nimmt. Und letztlich sollte auch der Mitarbeiter der Internen Kommunikation 2.0 ein Wissensarbeiter sein. (…)

Die Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) liefert folgende Definition für Wissensarbeit:

  • Wissensbasierte Arbeit: Tätigkeiten, bei denen Erfahrung und Wissen eine Rolle spielen.
  • Wissensintensive Arbeit: Tätigkeiten, die eine umfassende Ausbildung bzw. langjährige Erfahrung in einem bestimmten Fachgebiet voraussetzen.
  • Wissensarbeit: Tätigkeiten, bei denen das einmal erworbene Fachwissen nicht ausreicht, sondern die erfordern, dass das relevante Wissen (1) kontinuierlich revidiert, (2) permanent als verbesserungsfähig angesehen, (3) prinzipiell nicht als Wahrheit, sondern als Ressource betrachtet wird und untrennbar mit Nichtwissen gekoppelt ist, sodass mit Wissensarbeit spezifische Risiken verbunden sind. (GfWM 2011: 11)Der Verlust von Wissen – egal ob implizitem oder explizitem – ist ein Versäumnis das sich keine Organisation leisten sollte. Es geht hier um die Überlebensfähigkeit des Unternehmens, dem es nicht um mehr Zentralisierung, sondern mehr Integration geht. Ein elementarer Unterschied.

(…) Wenn die Verantwortlichen auf Grundlage einer ungenügenden Wissensbasis Entscheidungen tätigen, die die Richtung des Unternehmens bestimmen, übernehmen sie auch die Verantwortung für die daraus resultierenden Fehlschläge der Organisation.

In Zukunft wird ein Unternehmen auch dafür zur Verantwortung gezogen, die Entscheidungsgrundlage nicht fundiert genug vorbereitet zu haben, beispielsweise weil organisatorisches Wissen – Mitarbeiterwissen – nicht entdeckt, gefördert und zum Vorteil des Unternehmen in den Entscheidungsprozess mit einbezogen wurde.

Enterprise 2.0 wird von seinen Gegnern mitunter als anarchisches System denunziert, weil solch ein System zu unproduktivem Chaos führe, weil keine Ordnung herrsche. Sie setzen Ordnung mit der Posten-Hierarchie gleich und vergessen dabei, dass es weiterhin Entscheidungsträger geben wird – die Entscheidungsgrundlage aber verbessert wird.

Keine Zukunft ohne Lernen

In einem Arbeitsplatz der Zukunft wird es für jeden Einzelnen zu Veränderungen kommen, die mithilfe der Internen Kommunikation 2.0 bewältigt werden sollten. Lernen wird hier im Mittelpunkt stehen. Ständiges, konstantes Lernen, ohne Rücksicht auf Hierarchien. Die Vorteile für den Einzelnen und die Organisation zu vermitteln – Wie? und Warum? – können Aufgabe der nächsten Generation der Internen Kommunikation sein.

Der Schriftsteller und Futurologe Alvin Toffler betont die herausragende Bedeutung des Lernens mit dem folgenden Ausspruch: “The illiterates of the 21st century will not be those who cannot read and write but those who cannot learn, unlearn, and relearn.”

Am Arbeitsplatz der Zukunft wird die Leistung nach dem Ergebnis und nicht nach der Vor-Ort-Präsenz oder der Anzahl der Stunden bewertet. Es ist ein Arbeitsplatz der sich hauptsächlich in Projektarbeit strukturiert, nicht in rigider Teamarbeit. Wissensarbeiter werden je nach Wissen (Qualifikation) den Projekten zugeordnet und erledigen ihre Aufgaben ortsunabhängig. Statt auf monotoner Wiederholung von Arbeitsprozessen zu beharren, die sich als nicht anpassungsfähig erwiesen haben und eher Fehler wiederholen als sie beheben, wird die Fähigkeit zur Veränderung ein Qualitätsmerkmal werden.

SOS – Social Operating System

Der folgende Abschnitt ist eine sehr gewagte Aussicht auf eine Zukunft, die womöglich genau so aussehen wird oder auch komplett anders. Es geht um die Verschmelzung eines physikalischen und digitalen Arbeitsplatzes, von der Vermischung zwischen Privatem und Beruflichem.

Ich nehme mir die Freiheit einen noch tieferen Blick als bisher in die Glaskugel zu wagen. Auch wenn dieser Blick für viele Agentur-Mitarbeiter und Selbständige bereits Realität geworden ist.

Ein Operating System, also Betriebssystem, wird von Wikipedia folgendermaßen definiert:

“An operating system is software, consisting of programs and data, that runs on computers, manages computer hardware resources, and provides common services for execution of various application software. The operating system is the most important type of system software in a computer system. Without an operating system, a user cannot run an application program on their computer, unless the application program is self booting.”

So viel zu Wikipedia und der Technik. Mir geht es nun um den nächsten Schritt. Die „Humanisierung“ des Betriebssystems. Ein soziales Betriebssystem. Ein Social Operating System. Ein SOS.

Hierbei handelt es sich um ein System, dass im Grunde eine Hybridisierung von Mensch und Maschine darstellt. Ich würde es in einem Unternehmenszusammenhang so zusammenfassen:

SOS beschreibt die Fähigkeit eines Systems ein lernendes Netzwerk von Informationen, Daten und Menschen bereit zu stellen, das die Art und Weise verändert wie Organisationen nicht nur Inhalte, sondern auch deren Kontext, austauschen, entwickeln und erneuern.

Gehe ich von dieser Annahme aus, könnte die oben genannte Wikipedia Definition eines Betriebssystems mit einer kleinen Prise Ironie nun folgendermaßen lauten:

A social operating system (SOS) is cloudware, consisting of knowledge and opinion, which runs on brains, manages human body resources, and provides communication services for execution of various sharing needs. The SOS is the most important type of collaboration platforms in a people and data network. Without an SOS, a user cannot adapt efficiently to social changes in this world, unless the world is self-booting.

Diese von mir frei erfundene und nicht ganz ernst gemeinte Adaption der Wikipedia Definition mag Einigen nicht ausreichen. Daher folgt hier ein Zitat, das sich bemüht ein Social Operating System zu beschreiben:

“The essential ingredient of next generation social networking, social operating systems, is that they will base the organization of the network around people, rather than around content. This simple conceptual shift promises profound implications for the academy, and for the ways in which we think about knowledge and learning. Social operating systems will support whole new categories of applications that weave through the implicit connections and clues we leave everywhere as we go about our lives, and use them to organize our work and our thinking around the people we know.” (Schnell 2008)

Die Mauer wird fallen

Through the wall

Es wird keine Intranets mehr geben, wie wir sie heute kennen. Auch von Social Intranets wird nicht mehr gesprochen, da diese mühevoll innerhalb der digitalen Unternehmensmauern gebaut werden müssen, während in der Welt „da draußen“ die sozialen Medien sich in einem Tempo entwickeln, die jede unternehmensinterne Lösung bereits in der Planung „alt“ aussehen lassen.

Ein SOS kann die Plattform werden, die es uns innerhalb UND außerhalb der Unternehmens-Firewall erlauben wird die Arbeitsmittel-Anforderungen einer Enterprise 2.0 zu erfüllen. Der erste Schritt in diese Richtung wurde von Google mit Google Plus gemacht, das eben nicht einfach ein weiteres soziales Netzwerk ist, sondern ein Netz von integrierten Diensten, die sowohl privat wie auch beruflich  und offen oder geschlossen genutzt werden können.

Die Mauer wird fallen, entweder man ist darauf vorbereitet oder es gibt den „Günter Schabowski-Moment“.

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