Das Ziel von Enterprise 2.0?

Dies ist ein weiterer Ausschnitt aus einem Essay mit dem Titel „Interne Kommunikation auf der Suche nach dem Unternehmenswissen„.

Traditionell stützen sich die meisten mittleren und großen Unternehmen auf eine Infrastruktur, die auf Autorität, Kontrolle und unflexiblen organisatorischen Hierarchien basieren. Und bis vor kurzem war diese soziale Architektur das einzig verfügbare Informationssystem komplexe Strukturen zu steuern und zu organisieren.

Diese Art der Organisation ist wirksam, solange externe Faktoren stabil und vorhersehbar bleiben. Aber sie wird schnell anfällig und ineffizient in sich schnell wandelnden oder nur schwer zu prognostizierenden Kontexten, beispielsweise wenn Märkte, Wissen, Kultur, Technologie, Wirtschaft oder Politik sich schneller verändern als die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens.


Wie schwer es sein wird von definierten Arbeitsergebnissen, Prozessen und vor allem Organisationsstrukturen mit festen Verantwortlichkeiten abzurücken erlebt jeder, der die ersten Schritte hin zum Enterprise 2.0 unternimmt. „Der wohl deutlichste Paradigmenwechsel liegt im Verlust von Kontrolle durch den Verlust objektiver Messbarkeit (…) und damit einhergehend dem Bedeutungsgewinn von Freiraum und Vertrauen. Das Motto von „You cannot manage what you cannot measure“ hat ausgedient, denn in lernenden, vernetzten, selbstorganisierten und komplexen Enterprise 2.0 greifen quantitative Messmethoden immer weniger. An die Stelle von Kontrolle tritt zunehmend Vertrauen.“ (GfWM 2011: 13)

Anders ausgedrückt geht es darum das Undefinierte, Offene, Flexible und Anpassungsfähige zu ertragen und zu lernen, wie es genutzt werden kann. Sicher kann dies von Wissensmanagern, Arbeitsorganisationsexperten oder Managementspezialisten vermittelt werden, aber meiner Meinung nach sollte die Interne Kommunikation hier ihre Kompetenzen erweitern und mit ihren Netzwerken und ihrem Wissen den Beitrag leisten, um diese Veränderung zu unterstützen und zu beeinflussen.

Geld machen!

Hier geht es nicht darum sich in akademischen Diskursen mit wenig Bezug zur Praxis zu verlieren. Es geht um die banalste aller unternehmerischen Fragen: Was ist mein erstes unternehmerisches Ziel? Geld machen, dürfte die meistgenannte Antwort sein. Und zwar mehr als ich ausgebe. Ein sehr reduktionistischer Ansatz, der aber zu den Grundprinzipien gezählt werden dürfte.

moneybags

Ein Enterprise 2.0 geht einen Schritt weiter: Nicht nur heute, sondern auch morgen Geld machen. Damit die Organisation, also das Unternehmen sicherstellen kann, dass dieser Überlebenskampf durch konstante Veränderung und Anpassung erfolgreich geführt wird, sind Einsichten wie die zu Anfang dieses Kapitels genannten unabdingbar.

Der Managementexperte Fredmund Malik beschreibt die Anforderung an „richtiges und gutes“, also kybernetisches Management folgendermaßen: „Organisiere ein komplexes System so, dass es sich weitgehend selbst organisieren, selbst regulieren und evolvieren kann“. (Malik 2006: 28) Dies ist nichts anderes als die Grundlage einer Enterprise 2.0.

Eine Führungskraft in diesem Kontext – Leadership 2.0 – deckt sich eher mit dem Profil eines Projektleiters statt eines Abteilungsleiters. Die Interne Kommunikation sollte in der Lage sein, ihr Kommunikationswissen diesen Führungskräften zu vermitteln und zur Verfügung zu stellen. Sozusagen als Inhouse Kommunikationscoaches.

Was geschehen kann, falls man sich nur darauf verlässt heute Geld zu machen, sich aber nicht schnell genug an die immer kürzeren Innovationszyklen anpasst, um eben auch morgen noch Geld zu machen wird womöglich Nokia bald genauer erläutern. IBM hat ein ähnliches Schicksal abwenden können, in dem es sich komplett neu erfunden hat und zwar mehr als nur einmal. Ein alternatives Szenario wird im Buch „Ändere das Spiel“ beschrieben:

„Im Jahr 2007 veröffentlichte Standard & Poor’s (…) eine Liste von 500 Unternehmen, die zu den weltweit bestbewerteten Companies (…) gehören. Darin finden sich die Namen von 86 Unternehmen, die bereits im S&P 500 des Jahres 1957 aufgelistet waren. Es sind die Überlebenden. Alle übrigen Konzerne, die vor 53 Jahren zu den mächtigsten Unternehmen der Welt gehörten, gibt es entweder nicht mehr oder ihre Bewertung ist so gefallen, dass sie im Ranking von S&P nicht mehr vorkommen.“ (Murmann Verlag 2010:17)

3 Gedanken zu “Das Ziel von Enterprise 2.0?

  1. Ich finde den Gedanken der Kommunikatioren als Coaches besonders spannend. Denke auch, dass gerade die interne Kommunikation im Kontext E20 einen neuen Job machen wird. Nämlichen einen, der dem ihrer Kollegen in der Presseabteilung oder bei Investor Relations immer ähnlicher wird. Also eben nicht nur selbst Themen setzen und eigene Medien befüllen. Stattdessen wird es darum gehen, Meinungen zu monitoren, tagesaktuell zu reagieren, mehr Verantwortung und Gestaltungsraum zu übernehmen. Kurz: mehr Dialog, mehr Öffentlichkeit.

    • Hallo Marius,
      ich bin ganz Deiner Meinung. Den Wandel vom „Informationspolizisten“ zum „Community Manager“, der die Kommunikation nicht kontrolliert, sondern fördert und ermöglicht beschreibe ich aus meiner Sicht in den folgenden Abschnitten.

      Übrigens, zu meiner Schulzeit (Abi 1990) hatte ich einen Mathelehrer und Schuldirektor namens Kursawe, der auch Bürgermeister meiner Stadt war (liegt bei Köln um die Ecke). Du kommst nicht ganz zufällig aus Monheim?

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