„Ich wollte schon immer mal Social Media machen!“

Wer sich schon mehr als einmal auf eine Stelle beworben hat – dass sollte in der Kommunikationsbranche und bei stetig flexibleren Arbeitsverhältnissen die Mehrheit sein – dem sind sicherlich einige Standardformulierungen in Stellenanzeigen bekannt.



Steht in einer Anzeige einer PR-Agentur beispielsweise, es werde „Eine selbständige Arbeitsweise“ und ein „Hohes Maß an Belastbarkeit“ erwartet, kann der Bewerber eine der folgenden drei Schlussfolgerungen ziehen:

•    Es handelt sich um eine überflüssige Floskel (gibt es etwa Agenturen, in denen ich ohne diese Voraussetzungen arbeiten könnte?)

•    Es ist mit der Kreativität nicht ganz so weit her (wird bevorzugt von Agenturen angegeben, die von sich behaupten ganz besonders kreativ zu sein)

•    Es handelt sich um einen klaren Hinweis in Form der Zeugnissprache („Erwarten Sie keine Übergabe, Einarbeitung oder sonstige Hilfestellung. Und übrigens, freie Wochenenden sind Ihnen doch bestimmt nicht wichtig, oder?“).

Stellenanzeige 2.0

Mittlerweile verstehen eine wachsende Zahl von PR-Agenturen und Kommunikationsabteilungen in Unternehmen, dass Social Media keine Modebewegung ist, sondern eine dauerhafte Veränderung in der Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren. Ob der zukünftige Arbeitgeber das Potenzial sozialer Medien jedoch wirklich erkennt und umsetzt, lässt sich oftmals bereits an der Stellenbeschreibung festmachen.

Wurde die abgenutzte Formulierung „Sie beherrschen die Klaviatur der Kommunikation“ nur um „inklusive Social Media“ ergänzt?

Ist die übliche Auflistung „Konzeptions-, Redaktions- und Textkompetenz erforderlich“ lediglich um „Social Media Kompetenz“ erweitert worden?

Wenn ja, dann liegt es nahe, dass sich dem Unternehmen das Potenzial dieser neuen Gesprächs- und Vernetzungsmöglichkeit noch nicht gänzlich erschließt. Hier sollte man sich als Bewerber nicht scheuen, mit einer ähnlich verstaubten Floskel zurückzuschlagen: „Ich wollte schon immer mal Social Media machen!“.

Ob der Zusatz „Social Media Kenntnisse“ in Jobprofilen – außer für Spezialisten – in Zukunft überhaupt noch erwähnt werden muss, ist fraglich.

Oder würden Sie in Ihrer Stellenanzeige auch ausdrücklich erwähnen, dass Ihr Mitarbeiter telefonieren, mit Kollegen zusammenarbeiten oder an Meetings teilnehmen muss?

Ein schönes Beispiel für eine einfache und gelungene „Stellenanzeige 2.0“ ist mir hier aufgefallen. Sicherlich, ich bin durch meinen eigenen beruflichen Hintergrund und mein großes Interesse an den beschriebenen Arbeitsbereichen vorbelastet. Aber Beschreibungen wie „Lust“, „Spaß“ oder „Leidenschaft für den aktiven Umgang mit Social Media“ sprechen nicht nur mich sofort an. Gleichzeitig sollte es vor allem Kommunikationsberatern klar sein, dass Wörter wenig überzeugend wirken, falls es an der Umsetzung mangelt. In diesem Fall jedoch stimmen zumindest die eingesetzten Kanäle und der offene, direkte Auftritt des Agenturinhabers mit dem Anzeigentext überein.

Ein Gedanke zu “„Ich wollte schon immer mal Social Media machen!“

  1. Hi und vielen Dank für die Erwähnung als positives Beispiel! Du hast so recht, Stellenanzeigen sind oft genauso steif und verklausuliert formuliert, wie Arbeitszeugnisse. Vielleicht liegt’s daran, dass beides oft von den gleichen Leuten geschrieben wird. Während Arbeitszeugnisse gesetzlichen Vorgaben unterliegen, sind Stellenanzeigen (bis auf die Anforderung Diskriminierungsfreiheit) ja an sich formlos.

    Also warum nicht sich sprachlich befreien und klar sagen, was den Bewerber erwartet. Schließlich ist gerade in der Kommunikationsbranche der Kampf um die wirklich guten Leute sehr stark. Da sind m.E. Agenturen/Beratungsfirmen gut beraten, sich von ihrem hohen Ross herunterzubewegen und tatsächlich für ihre Firma zu werben.

    Neben der Sprache äußert sich das in der Praxis dann vor allem daran, dass die Versprechen der Stellenanzeige auch eingelöst werden müssen.

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